Dienstag, 30. Juni 2015

[REZENSION] ALTERRA: Im Reich der Königin - Maxime Chattam (by Nika)

ALTERRA: Im Reich der Königin - Maxime Chattam
Originaltitel: Autre-Monde: Malronce
PAN, 2010
400 Seiten
Hardcover - nur noch als Mängelexemplar/gebraucht erhältlich
Aktuelle Ausgabe:

Knaur eBook, 2011 *
eBook
Preis: € 6,99
Hörbuch-Download 
10 Stunden, 42 Minuten (ungekürzt)
Preis: € 19,50

Klappentext:
BIST DU BEREIT FÜR DAS ABENTEUER DEINES LEBENS?
Eine unbekannte Macht hat die Welt über Nacht in eine andere verwandelt – in einen Ort voller Gefahren und Abenteuer, in der Jugendliche jeden Tag ihren Mut beweisen müssen. Auf der Flucht vor einem unheimlichen Schattenwesen verschlägt es die drei besten Freunde Matt, Ambre und Tobias in den Blinden Wald, wo riesige Pflanzenwesen auf sie lauern, an Bord eines Luftschiffes und schließlich in das Reich der schrecklichen Königin Malronce, die ein ganz besonderes Interesse an Matt zu haben scheint …
Ist die Gemeinschaft der Drei stark genug, um dieses Abenteuer zu überstehen? 


Sonntag, 28. Juni 2015

[INTERVIEW] Nathaniel Turner über Sophie Oliver



Sophie Oliver

Hallo, mein Name ist Nathaniel Turner und ich bin das, was man in meiner Sprache „tall, dark and handsome“ nennt. Also „groß, dunkelhaarig und gutaussehend“. Ich sage das ohne Eitelkeit. Attraktivität liegt in meiner Natur, weil ich bin kein Mensch bin, sondern ein Unsterblicher.
Sophie Oliver schenkte mir eine Stimme und erzählt meine Geschichte und die Geschichte meines Volkes in ihrem Mehrteiler „Immortal Blood“.
Teil 1 ist ab sofort erhältlich.
Wir Unsterblichen leben mitten unter euch, auch wenn ihr von unserer Existenz nichts ahnt. Eigentlich sollte das so bleiben, aber da Sophie das Geheimnis nun gelüftet hat, erkläre ich mich gerne dazu bereit, dieses Interview für den Lesekatzen Bücherblog zu geben. Wie modern! Früher schrieb man sich ja nur Briefe. Ich bin viele hundert Jahre alt, aber man muss mit der Zeit gehen und immer am Ball bleiben. Also, wie lautet die erste Frage?

1. Stell uns Sophie Oliver doch erst einmal kurz vor.
Sehr gerne. Sophie ist ein Mensch mit vielen Interessen. Es würde ihr nie einfallen, sich selbst – oder andere Leute - in irgendeine Schublade zu stecken. Dafür findet sie das Leben viel zu faszinierend. Sie liebt Tiere – manchmal sogar mehr als Menschen und hat eine Schwäche für alles Britische.
Zwei Dinge sind ihr besonders wichtig: Zum einen ihre Familie, die Sophie über alles geht und die immer oberste Priorität für sie hat. Zum anderen das Schreiben-Lesen-und-Geschichten-erzählen. Das hat sie schon immer leidenschaftlich gerne gemacht.

2. Was denkst du über Sophie, wie findest du sie? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihr findest, wofür du sie beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Ich mag Sophie. Sie hört mir richtig zu und behandelt mich aufmerksam und mit Respekt. Ihr Motto ist Leben und Leben lassen und sie findet selbst in richtig schlechten Momenten etwas Positives.

Toll an Sophie ist, dass sie alles immer irgendwie hinbekommt. Sie ist sehr zielstrebig und wenn sie sich etwas vorgenommen hat, schafft sie es auch. Sie verfällt eigentlich nie in Panik. Das beeindruckt mich.

Manchmal übertreibt sie es allerdings ein wenig mit ihrer Beharrlichkeit, das grenzt dann schon fast an Sturheit. Und sie braucht recht lange, bis sie mit jemandem warm wird – aber wenn sie einen mag, so wie mich, dann ist sie eine wirklich treue Seele. Ich hoffe, sie nimmt mir diese kleinen Kritikpunkte nicht übel ...

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihr, was tut sie, wenn sie nicht schreibt?
Wenn sie nicht schreibt, grübelt sie meistens über neue Geschichten oder Charaktere. Dabei wirkt sie oft ein wenig geistesabwesend, das sieht dann ganz lustig aus.
Am liebsten ist sie mit ihrer Familie und dem Familienhund zusammen. Alle Olivers sind gerne draußen in der Natur, am Meer oder in den Bergen.

4. Hat sie ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Ja, das hat sie. Sophies großes Vorbild ist ihre Mutter.

5. Gibt es Rituale, die Sophie beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Sie hat einen entzückenden kleinen Schreibtisch, an dem sie viel Zeit verbringt und an dem auch ich mich sehr wohl fühle.
Aber sie schreibt auch gerne in Cafés, Hotellobbys oder draußen im Garten und hat immer eine riesige Handtasche dabei, in der sie ihren Laptop herumschleppt.
Musik hört sie beim Schreiben manchmal, nicht immer. Aber niemals laut, sondern nur über Kopfhörer. Die Musikrichtung variiert je nach Stimmung.
Sie isst grundsätzlich nie, wenn sie schreibt, aber sie trinkt dauernd etwas. Täglich grüne Smoothies, die für mich wirklich widerlich aussehen, aber Sophie behauptet, die schmecken toll. Außerdem steht meistens eine Teekanne neben dem Computer, oder unterwegs ein Thermobecher mit Kaffee und immer, immer, immer eine Wasserflasche. Na ja, es gibt wahrscheinlich exzentrischere Macken ...

Sophie Oliver
6. Wie hast du sie kennengelernt?
Ich bin Sophie schon eine sehr lange Zeit im Hirn herumgespukt, bis sie sich dazu entschlossen hat, mich und meine Geschichte herauszulassen. Das macht mich quasi zu ihrem Erstgeborenen. Zwinkert Auch wenn ich natürlich viele Jahrhunderte älter bin, als sie.

7. Weißt du, ob es bei ihr immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Also ich weiß, dass Sophies Kopf voll ist von Geschichten und Charakteren, mit denen sie natürlich nun, da sie meine Story erzählt hat, auch viel Zeit verbringt. Das muss ich akzeptieren.
Bin ich eifersüchtig auf die anderen? Ja, ein wenig. Aber ich weiß, dass sie zu mir eine ganz spezielle Beziehung hat und deshalb übe ich mich in Toleranz.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Sophie so besonders?
Wie ich schon sagte, ich bin ihr Erstgeborener. Ich kenne ihre Gedanken und weiß, wie sie tickt. Deshalb ist niemand besser dazu geeignet, dieses Interview für Sophie zu führen, als ich. Es war also ganz richtig, dass du dich an mich gewandt hast. Nickt der Lesekatze freundlich zu

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Sophie Oliver bereit? Wie sieht der momentane Stand ihrer Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Oh ja, das gibt es. Bald wird neben dem zweiten Teil von „Immortal Blood“ auch die „Inner Circle -Trilogie“ im Oldigor Verlag erscheinen. Das ist eine Society-Lovestory. Obwohl keine Unsterblichen darin vorkommen, sondern nur normale Menschen muss ich sagen, dass ich diese Bücher toll finde.
Außerdem arbeitet Sophie an mehreren Krimis, Liebes- und Vampir-Romanen.
Sie freut sich wahnsinnig darüber, ihre Geschichten hinaus in die Welt tragen zu dürfen. Am liebsten würde sie den ganzen Tag lang nur schreiben.

Sophie Oliver
10. Ein herzliches Dankeschön an Nathaniel für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich der Autorin selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Nathaniel gesagt wurde.
Erst mal vielen Dank an Nathaniel für die lieben Worte.
Und natürlich nehme ich ihm seine Kritikpunkte nicht übel. Er ist wirklich ein Gentleman der alten Schule, sehr kultiviert. Verblüffend, wie gut er mich kennt. Aber wir verbringen ja auch viel Zeit zusammen, da ergibt sich das wahrscheinlich.
Will ich etwas richtigstellen? Eigentlich nicht. Aber ich würde Nathaniel gerne noch sagen, dass kein Grund zur Eifersucht auf andere Charaktere besteht. Immerhin ist er in der Tat jemand ganz Besonderes! Zwinkert auch


 Wenn ihr mehr über die Autorin erfahren wollt, besucht sie auf ihrer Homepage, ihrer Facebookfanseite, Twitter (SophieLuvsBooks) oder Instagram (sophie.loves.books). Die Dilogie "Immortal Blood" wie auch die Trilogie "Inner Circle" erscheinen im Oldigor Verlag.

Donnerstag, 25. Juni 2015

[REZENSION] ALTERRA: Die Gemeinschaft der Drei - Maxime Chattam (by Nika)

ALTERRA: Die Gemeinschaft der Drei - Maxime Chattam
Originaltitel: Autre-Monde: L'Alliance des Trois
PAN, 2009
400 Seiten
Hardcover - nur noch als Mängelexemplar/gebraucht erhältlich
Aktuelle Ausgabe:

Knaur eBook, 2011 *
eBook
Preis: € 6,99
Hörbuch-Download 
9 Stunden, 58 Minuten (ungekürzt)
Preis: € 19,50

Klappentext:
»WO WIRST DU SEIN, WENN DIE WELT UNTERGEHT?«

Ein Orkan bricht über New York herein. Innerhalb weniger Stunden versinkt die Stadt in Eis und Schnee. Aus der Dunkelheit, die folgt, schießen blaue Blitze hervor. Als sie verschwunden sind, ist die Welt eine andere geworden: gefährlich und wild, ohne Technik und Zivilisation – und ohne Erwachsene. Übrig sind nur die Kinder, unter ihnen Matt, Tobias und Ambre. Gemeinsam machen sie sich auf in ein unglaubliches Abenteuer ...

Phantastisch, abenteuerlich, magisch – eine unheimliche Reise in eine andere Welt.


Dienstag, 23. Juni 2015

[REZENSION] In den Fängen der Seehexe - Jens Schumacher (by Key)

http://www.manti-shop.de/spielbuecher/die-welt-der-1000-abenteuer/74/die-welt-der-1000-abenteuer-in-den-faengen-der-seehexe
Die Welt der 1000 Abenteuer - In den Fängen der Seehexe, Jens Schumacher
Mantikore Verlag, 2014
280 Seiten
Preis:  9, 95 €
ISBN: 978-3-939212-74-4

Klappentext:
Aufruhr an der Küste: Stormothra, eine weithin gefürchtete Schwarzmagierin, hat die Thronfolgerin des Königreiches Corallia entführt! Für die Freilassung der Prinzessin fordert sie nichts Geringeres als die Herrschaft über den kleinen Inselstaat. Eine Rettung scheint ausgeschlossen, denn Stormothras Palast liegt unerreichbar auf dem Grund des Meeres. Allein unter dem Einfluss eines Wasseratmungszaubers könnte ein unerschrockener Abenteurer in die Tiefe hinabtauchen und versuchen, die Prinzessin aus den Fängen der Seehexe zu befreien … ein Abenteurer wie du! Ein interaktives Fantasy-Abenteuer mit DIR in der Hauptrolle: DU entscheidest, welchen Weg du einschlägst, welche Gegner du bekämpfst. Doch Vorsicht – hinter jeder Ecke kann das Verderben lauern. Nur mit Mut, Grips und einer Portion Glück bestehst du alle Prüfungen in der WELT DER 1000 ABENTEUER!

Sonntag, 21. Juni 2015

[INTERVIEW] Justinius und Vanice über Daniel Illger

Foto: Noëmi Vollenweider

Justinius und Vanice über Daniel Illger

Justinius ist der älteste Sohn des Barons von Hagenow. Er wurde in den Windmarken geboren, einer abgelegenen Provinz des Kaiserreichs Ahekrien. Eine Weile lang verlief sein Leben mehr oder weniger so, wie man das bei einem Baronssohn erwarten kann. Er ging auf die Kriegerakademie nach Mandris, war ständig betrunken und träumte von großen Taten. Irgendwann fand er heraus, dass ein Freund aus alten Tagen seine Zeit bevorzugt mit Mord, Folter und Schändung verbring. Justinius versuchte, diesen Freund, der längst schon kein Freund mehr war, mitsamt seinen Spießgesellen vor die Sonnenrichter zu bringen. Leider unterschätzte er den Einfluss, den die Familien der Täter – allesamt alter ahekrischer Adel – auszuüben vermochten. Am Ende landete er selbst im Kerker, und als er wieder in Freiheit war, wurde er von seinem Vater verstoßen. Seitdem lebt er mit seiner verrückten Magd Scara auf einem verfallenen Landsitz.
Vanice Devecraux wurde als Tochter eines mächtigen Handelsgeschlechts auf der Insel Enjahla geboren, die in der mygherischen Meerenge zwischen den beiden Kontinenten Ebera und Qheezan liegt. Sie verbrachte eine – von verstörenden Albträumen abgesehen – sorgenlose, wohlbehütete Kindheit. Doch eines Tages kam etwas über sie, das sie als „ihren Fluch“ bezeichnet: ein furchtbarer, unstillbarer Hunger nach verbotener Nahrung. Vanice, damals noch ein halbes Kind, musste Enjahla verlassen. Sie trat eine Irrreise an, die sie durch zahllose Länder und von einer Dunkelheit in die nächste führte.
Kürzlich hat das Leben von Justinius und Vanice eine Wendung genommen. Unabhängig voneinander lernten sie beide einen seltsamen jungen Mann namens Mykar kennen, der irgendwo zwischen Leben und Tod zu schweben scheint, sich mit einem Geistermädchen namens Danje unterhält und unbedingt seinen Freund Cay retten will, der des Mordes an einem Adeligen angeklagt ist. Dafür braucht Mykar Hilfe, denn er muss sich mit den Mächten dieser und anderer Welten anlegen, um sein Zeil zu erreichen – und ehe sich Justinius und Vanice versehen, schliddern sie ein merkwürdiges und unheimliches Abenteuer hinein. Die Geschichte dieses Abenteuers erzählt „Skargat.“
Wir treffen die beiden im Speisesaal von Justinius’ Landsitz. Es ist ein kalter, verregneter Herbsttag; Justinius und Vanice wärmen sich an dem Feuer, das im Kamin knistert. Justinius liegt halb in seinem Stuhl, macht einen mürrischen Eindruck und murmelt etwas von „Zeitverschwendung“; Vanice hingegen sitzt kerzengerade da und erwartet aufmerksam die erste Frage. Während wir uns für das Gespräch bereit machen, schaut auch Scara vorbei. Sie wirft Justinius und Vanice einen bekümmerten Blick zu, schüttelt den Kopf und geht wieder.

Wir bitten darum, nicht zu filmen oder zu fotografieren und alle Handys auszuschalten. Diese Wunder der modernen Technik könnten unsere heutigen Gäste aus der Fassung bringen, und das wollen wir ja nicht. Also, Herr von Hagenow, die werte Dame, dürfen wir Euch eine Tasse Tee anbieten, bevor wir mit den Fragen beginnen?

Justinius (schnaubt verächtlich): So weit kommt das noch, dass ich mir in meinem eigenen Haus Tee anbieten lasse! Außerdem, wer in Dreidämonsnamen trinkt schon Tee?

Vanice: Ich nähme gerne eine Tasse Tee, vielen Dank.

Justinius (wendet sich um und ruft): He, Scara! Schwing mal deinen Hintern hierher und bring mir ein Bier!


1. Euer Hochwohlgeboren, stellt uns Daniel Illger doch erst einmal kurz vor.
Justinius: Was soll man da groß „vorstellen“? Sitzt rum. Schreibt. Sitzt noch mehr rum. Schreibt noch mehr. Ungefähr so aufregend wie ein kotzender Straßenköter, der Kerl.

Vanice (verdreht die Augen): Bravo, Justinius! So bekommen unsere Gäste gleich den richtigen Eindruck von Euch.

Justinius: Ich kann auch nichts dafür, wenn sie über so einen Mist reden wollen.

2. Was denkt Ihr über Daniel, Vanice? Wie findet Ihr ihn? Gibt es etwas, was Ihr besonders toll an ihm findet, wofür Ihr ihn beneidet? Oder etwas, was Ihr so gar nicht leiden könnt?
Vanice: Ich denke, dass sich Herr Illger die größte Mühe gibt, uns gerecht zu werden. Er verurteilt uns nicht, und er macht sich auch nicht über uns lustig. Obwohl wir oft genug verurteilenswerte und lächerliche Dinge tun. Er möchte herausfinden, was unsere Wahrheit ist. Das schätze ich sehr.

Justinius: Nun, Euch will er vielleicht gerecht werden, meine Dame! Das muss an Eurem entzückenden Näschen liegen. Was mich betrifft, bin ich mir nicht so sicher. Wenn man liest, was der ehrenwerte Herr Illger so schreibt, könnte man auf den Gedanken komme, ich tue den ganzen Tag nichts anderes als Saufen und Rumpöbeln.

Vanice (ironisch): Uns das wäre ja ein überaus bedauerliches Missverständnis. Nicht wahr, Justinius?

Scara (tritt mit einem Bierkrug heran): Bitte sehr.

Justinius (grimmig): Das hast du mit Absicht gemacht!

Scara: Was habe ich mit Absicht gemacht?

Justinius: Du hast mir mit Absicht gerade jetzt das Bier gebracht!

Scara: Natürlich habe ich das mit Absicht gemacht. Wie kann man jemandem denn unabsichtlich ein Bier bringen, Justinus? Vielleicht sollten wir dich lieber ins Bett legen. Ich fürchte, die Aufregung mit den fremden Leuten ist zu viel für dich.

Justinius: Vielleicht sollte ich dich übers Knie legen, damit du endlich mal anfängst, dich wie eine anständige Dienerin zu benehmen.

Scara (indem sie sich wegdreht): Dafür ist jetzt leider keine Zeit. Ich habe noch ein Brot im Ofen.

3. Um auf Daniel zurückzukommen. Ihr verbringt doch viel Zeit mit ihm, Vanice. Was tut er, wenn er nicht schreibt?
Vanice: Früher hat er viele Stunden in universitären Hallen verbracht. Er hat dort gelehrt. Ich weiß gar nicht genau, was. Aber ich bin sicher, dass das eine gute und achtbare Tätigkeit war. In letzter Zeit widmet er sich ganz der Dichtkunst –

Foto: Noëmi Vollenweider
Justinus: Dichtkunst! Was für Dichtkunst?! Ich glaube, Ihr verwechselt den Herrn Illger mit Eurem geliebten Haiton. Wie heißt das gleich, wo Ihr ständig drin rumblättert? Die Reise des Kalimikes, oder wie war das?

Vanice (ohne ihn zu beachten): – widmet er sich ganz der Dichtkunst. Er fühlt sich seinen Geschichten sehr verpflichtet und ist der Meinung, diese Verpflichtung nur einlösen zu können, wenn er seine ganze Kraft auf diese eine Sache richtet. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber ich wünsche ihm alles Gute.

Justinius: Ich wollte noch mal auf die vorige Frage zurückkommen. Es gibt nämlich schon etwas, das ich an ihm mag: Er verbietet uns nicht das Maul. Wenn ich „verfickte Scheiße“ sage, dann meine ich „verfickte Scheiße“ – und nicht „welch betrübliches Malheur“. Ich kann Leute nicht ausstehen, die alles immer mit Girlanden behängen müssen.

Vanice: Sagte ich das nicht bereits?

Justinus: Keine Ahnung. Ich hab nicht zugehört.

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Vanice: Herr Illger und ich haben uns gelegentlich über die Dichtkunst unterhalten. Er kam dabei öfters auf einen Poeten namens Dostojewski zu sprechen. Von diesem Herrn Dostojewski stammt ein berühmter Satz... Wie lautet er gleich? „Menschen würden alles tun, um sich zu beweisen, dass sie keine Drahtstifte in einer Drehorgel sind.“ Ja, ungefähr so. Wenn ich es richtig verstehe, meint der Herr Dostojewski, dass das menschliche Herz ein großes Rätsel ist: ewig zerrissen zwischen Gut und Böse, Edlem und Niederträchtigem, Hoffnung und Verzweiflung. Und er hält es für die Aufgabe des Dichters, ganz tief in diese Zerrissenheit hineinzugehen: sie weder zu verleugnen, noch zu beschönigen, noch geradezubiegen. Es geht darum, zu ergründen, was es eigentlich bedeutet, frei zu sein.

Justinus: So ein Geschwafel hält der Herr Illger für vorbildlich? Na dann gute Nacht!

Vanice: Ich wünschte, Ihr würdet Euch nicht immer dümmer stellen, als Ihr seid, Justinius.


5. Gibt es besondere Gepflogenheiten, die Daniel beim Schreiben an den Tag legt? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu Essen, das in Reichweite stehen muss?
Vanice: Er trinkt gerne Kaffee beim Schreiben. Ihr kennt das nicht, Justinius. Ihr habt ja den Norden niemals verlassen. Ich hingegen hatte das Glück, als Tochter einer Handelsfamilie auf Enjahla geboren zu sein. Es kamen oftmals Gäste in unser Haus, die aus dem tiefen Süden stammten, aus Ländern wie Numer oder Obzada. Die haben uns beigebracht, wie man Kaffee trinkt. Ich vermisse das sehr. Es gibt vieles, was ich hier oben vermisse. Nicht zuletzt die sonnendurchgleißten Herbsttage (seufzt).

Justinius: Ich würde dem Herrn Illger empfehlen, es mal mit Schnaps zu versuchen. Vielleicht hilft das seinem Geschreibsel.

Vanice: Euch hat es ja enorm geholfen, ständig betrunken zu sein.

Justinius: Und ob. Wenn’s den Schnaps nicht gäbe, läge ich längst im See.

6. Wie habt Ihr kennengelernt, Euer Hochwohlgeboren?
Justinius: In einer Schenke. Das ist noch etwas, das man dem Herrn Illger zugute halten muss. Er ist einer gepflegten Sauferei nicht abgeneigt. Außerdem kann er manchmal ganz großzügig sein. Ich hatte gerade kein Geld mehr, und er hatte mir ein paar Bier ausgegeben. Dann haben wir ein bisschen geplaudert und ehe ich mich zweimal am Sack kratzen konnte, steckte ich bis über beide Ohren in der Scheiße.

Vanice: Immerhin stecktet Ihr nur in der „Scheiße“. Nicht in der „verfickten Scheiße“.

Justinius: Ja, immerhin etwas.

Vanice: Mich hat Herr Illger an einem dunklen Ort gefunden. Ich bin oft an dunklen Orten, ich kann nicht anders. Als wir uns begegneten, war ich sehr einsam und verzweifelt. Ich bin froh, dass er mich gefunden hat, denn er hat mir eine Geschichte gegeben. Ohne eine Geschichte würde ich zugrunde gehen. Und das will ich nicht.

7. Wisst Ihr denn, Herr von Hagenow, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Justinius: Da habe ich keine Ahnung. So eng sind wir auch wieder nicht. Und ich habe schon genug mit dem ganzen Mist zu tun, den er sich für mich ausdenkt.

8. Einmal ganz direkt gefragt: Wieso führe ich das Interview mit Euch? Was macht Euch für Daniel so besonders?
Justinius: Na, jede Geschichte braucht einen Helden. So viel ist mal klar, oder? Und wer bitteschön taugt denn in dieser traurigen Runde als Held? Mykar? Wohl kaum. Er ist ziemlich gut darin, anderen das Lebenslicht auszupusten. Zugegeben. Aber ansonsten kann er froh sein, wenn er es schafft, eine Jauchgrube von einem Badezuber zu unterscheiden. Und an dem Tag, wo sich Scara als Held erweist, werden in den Niederhöllen Blumen gepflanzt.

Vanice: Was ist mit mir?

Justinius: Mit Euch...? Äh...

Vanice: Keine Sorge, Justinius. Ich weiß, dass ich nicht zur Heldin tauge. Ihr müsst Euch aber auch noch ein bisschen anstrenge, bevor Ihr diesen Ehrentitel für Euch beanspruchen könnt.

Justinius (knirschig): Ist mir klar. Deshalb habe ich ja wieder mit dem Schwerttraining angefangen.

Vanice: Euer Schwerttraining, wie konnte ich das vergessen! Dabei prügelt Ihr auf einen Schrank ein und gebt Laute von Euch wie ein brünstiger Ochse, oder?

Justinius (an die Interviewer gewandt): Die Dame kann nämlich auch witzig. Würde man gar nicht meinen, was?

Vanice: Übrigens weiß ich auch nicht, ob ich etwas Besonderes bin. Ich glaube, Herr Illger mag mich einfach. Das ist schön für mich, weil es mir noch nicht oft passiert ist, dass mich jemand wirklich mochte.

Justinius: Nun lasst mal das Taschentuch stecken, Vanice. Ich mag Euch auch.

Vanice: Ja?

Justinius: Klar. Ihr seid unerträglich eitel und selbstverliebt. Aber wer ist schon ohne Fehl?

Skargat von Daniel Illger
9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Daniel Illger bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?

Vanice: Nun, unsere Geschichte geht natürlich weiter.

Justinius: Das will ich dem Herrn Illger auch geraten haben. Wenn er mich in der Luft hängen lässt, kriegt er eins auf die Fresse.

Vanice: Mir wäre es auch lieber, ich würde meine Reise mit einem etwas leichteren Herzen beenden.

Justinius: Kurz gesagt, wenn der Herr Illger für uns keine Zukunft parat hat, kann er die seine gleich vergessen!

Vanice: Er schreibt aber noch an etwas anderem. Das ist eine Geschichte, die in einer Stadt namens Berlin spielt.

Justinius: Nie gehört. Wo soll das denn sein?

Vanice: Das ist sehr weit weg. Ich glaube, der Ort ist auf keiner unserer Karten verzeichnet. Jedenfalls geht es in dieser Geschichte darum, dass unsere Wirklichkeit nur durch einen dünnen Schleier von einer anderen, dämonischen Wirklichkeit getrennt ist – und darum, wie man dieser zweiten, grauenvollen Wirklichkeit ins Auge sehen muss, wenn man aus Versehen den Schleier zur Seite zieht.

Justinius: Ihr meint ungefähr so, wie wenn sich ein Gläschen genehmigen will und plötzlich feststellt, dass kein Wein mehr im Haus ist?

Vanice: Ungefähr so, Justinius. Wie dem auch sei: Mindestens ein Buch soll dieses Jahr fertig werden. Nun, bei Euch ist ja Frühling, insofern hat Herr Illger noch ein wenig Zeit.


10. Ein herzliches Dankeschön an Justinius von Hagenow und Vanice Devecraux für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchten wir dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtigzustellen, was von Justinius und Vanice gesagt wurde.
Scara (räuspert sich): Bin ich schon dran? Ah ja. Wo war ich? Richtig, am Anfang... Also, der nette Daniel hat mir erlaubt, an seiner Stelle ein paar letzte Worte zu sprechen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, meinem Esel Schlappi zu danken. Schlappi ist ein gutes Tier. Er weiß, wo die Weinberge liegen. Außerdem ist er viel klüger als Justinius, was zugegebenermaßen auch für die eine oder andere Stubenfliege gilt. Vor allem aber hat er nicht so alberne Haare wie das liebe Mädchen. Ich habe ihr schon öfters geraten, sich die Haare schneiden zu lassen, aber sie bleibt stur. Nun, sie wird sehen, was sie davon hat, wenn die Krähen auf ihrem Kopf ein Nest bauen. Abgesehen davon versichere ich, dass Justinius und Vanice die Wahrheit gesprochen und durchaus nicht gelogen haben. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten, will ich sagen. So, das wäre es. Jetzt muss ich mich sputen, es ist nämlich noch ein Brot im Ofen. Schlappi, gibt es etwas, das du den Leuten auf den Weg mitgeben möchtest?
Schlappi: Iah. 


Donnerstag, 18. Juni 2015

[REZENSION] Nachtschatten - unantastbar von Juliane Seidel (by Valli)


Nachtschatten, Juliane Seidel
2015
294 Seiten
Preis E-Book: Derzeit für nur 1,99 €


Inhalt:
Menschen, Vampire und Werwesen haben etwas gemeinsam: Sie alle besitzen einen Schutzengel. Lily - eine der wenigen Auserwählten, die den ihren sehen kann - wird zu einer Jägerin ausgebildet, um gewöhnliche Menschen vor übernatürlichen Wesen zu schützen.
Als sie sich in Silas verliebt, der Mitglied einer geheimnisvollen Magiergilde ist, hat plötzlich jeder Geheimnisse vor ihr: Der hohe Rat, ihre Lehrmeisterin, Silas, sogar ihr eigener Schutzengel Adrian. Die seltsamen Vorfälle, die sich um sie herum ereignen, lassen sie und Silas schließlich auf ein Komplott aus Intrigen stoßen, das seinen Ursprung in Lilys Vergangenheit hat.
Der erste Band der Urban Fantasy Trilogie "Nachtschatten".

Mittwoch, 17. Juni 2015

[REZENSION] Cottage gesucht, Held gefunden von Susan Elizabeth Phillips (by Nana)

http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Cottage-gesucht-Held-gefunden-Roman/Susan-Elizabeth-Phillips/e469887.rhd
Cottage gesucht, Held gefunden - Susan Elizabeth Phillips
Blanvalet, 2015
512 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0111-3

Klappentext:
Peregrine Island vor der Küste von Maine. Annie Hewitt war sich sicher, nie wieder zurückzukehren. Und nun ist sie doch da – pleite, mut- und heimatlos, aber noch nicht bereit aufzugeben. Denn hier, auf dieser Insel, soll im Moonraker Cottage, dem Sommersitz ihrer Familie, der Nachlass ihrer Mutter versteckt sein. Annies Plan: ihr Erbe suchen, möglichst wenig auffallen und möglichst schnell wieder abreisen. Vor allem will sie unbedingt ein Aufeinandertreffen mit Theo Harp vermeiden. Er war ihre große Liebe. Doch jetzt ist er der Mann, den sie am meisten fürchtet. Und natürlich ist Theo der Erste, dem sie in die Arme läuft … 

Dienstag, 16. Juni 2015

[REZENSION] Skargat von Daniel Illger (by Nana)

http://www.klett-cotta.de/buch/Weitere_Autoren/Skargat/55815Skargat: Der Pfad des schwarzen Lichts - Daniel Illger
Klett-Cotta Verlag, 2015
568 Seiten
Preis: 17,95 €
ISBN: 978-3-608-94642-0

Klappentext:
Schatten über Ahekrien. Die Gespensterhorde des Schwarzen Jägers reitet durch die Nacht. Das Böse erwacht, und in dem skrupellosen Rudrick hat es einen Handlanger gefunden. Es bedroht nicht nur das Dorf, in dem die Freunde Mykar und Cay aufwachsen, sondern das ganze Land.

In einem abgelegenen Dorf lebt der Außenseiter Mykar. Vom eigenen Vater und allen Bewohnern verachtet, hat er nur einen Freund: Cay, den Sohn des Dorfpriesters. Als eine Reihe grauenvoller Verbrechen geschieht, machen die verzweifelten Bauern Mykar zum Sündenbock. Sie knüppeln ihn nieder und verscharren ihn im Wald – alle halten ihn für tot. Als Jahre später Cay des Mordes an einem Adligen beschuldigt wird, ist für Mykar die Zeit gekommen zurückzukehren. Verbündete findet er in dem versoffenen Adligen Justinius, dessen verrückter Magd Scara und einer geheimnisvollen Schönen. Keiner von ihnen ahnt, dass viel mehr auf dem Spiel steht als Cays Leben.

Sonntag, 14. Juni 2015

[INTERVIEW] Luc Morel über Wolfgang Gogolin



Wolfgang Gogolin

Bonjour! Ich bin Luc Morel - im Roman 'Dunkles Licht in heller Nacht' Capitaine der Pariser Mordkommission, wirklich kein Freudenpfuhl als Beruf. Tote Menschen sehen und deren widerliches Ende. Die Gewissheit spüren, dass irgend jemand frei herumläuft, der für diese Mordssauereien verantwortlich ist. Zwanzig Kollegen bändigen steht auch auf der Liste, die mir jeden Tag vermiest. Was gibt es noch? Richtig: die Sansevieria auf dem Fensterbrett. Eine Pflanze, die mich schon so lange begleitet, dass sie mittlerweile einen Namen hat und von der ich eigentlich nicht weiß, warum es sie noch da ist. Ich muss mich um sie kümmern und kümmern ist immer irgendwie ungut ... ich finde, der Autor hätte mir eine entspanntere Rolle gönnen können! Als Betreiber einer kleinen Brasserie beispielsweise oder als Inhaber eines Weinguts an der Rhône …

1. Stell uns Wolfgang Gogolin doch erst einmal kurz vor.
Oh, er könnte sehr gut ein Beamter sein! War er ja auch ein paar Jahre lang, Standesbeamter in Hamburg. Vermutlich bin ich nur deshalb im Dunklen Licht schon ewig verheiratet und habe keine junge Geliebte. Dabei gehört sich das doch in Paris, sogar die Präsidenten haben eine, und es ist gesund …
In Wolfgangs Arbeitszimmer hängen riesige Poster von Magritte, in seinem Player laufen immerzu CDs von den Dire Straits und Rum trinkt er am liebsten pur. Ich könnte mir vorstellen, mit ihm einen netten Abend in einem Bistro zu verbringen, in einem französischen, bien sûr!

2. Was denkst du über Wolfgang, wie findest du ihn? Gibt es etwas, was du besonders toll an ihm findest, wofür du ihn beneidest? Oder etwas, was du so gar nicht leiden kannst?
Oh, mon Dieu, was soll ich dazu sagen? Er ist wirklich kein Franzose, obwohl Gogolin durchaus ein französischer Name sein könnte. Er fährt einen dunkelblauen Mercedes und er trinkt am liebsten Pesquera, ausgerechnet spanischen Wein. Das ist doch kein Leben, das nenne ich vegetieren! Aber immerhin hat Wolfgang mal beim Ducasse in Paris gespeist und er verfasst en passant ganz brauchbare Restaurantkritiken, nur darum durfte er meine Geschichte überhaupt aufschreiben. Aber ein echter Franzose wird er niemals! Niemals!

3. Du verbringst doch viel Zeit mit ihm, was tut er, wenn er nicht schreibt?
Er verbringt viel Zeit mit seiner Frau, die beiden haben eine Schwäche für Sterneküche, très bien! Und ich wollte es zuerst nicht glauben: Statt Pétanque (Boule) spielt er mindestens ein Mal pro Woche Tischtennis! Da steht man nur locker an der Platte und muss sich nicht viel bewegen, hatte er mir anfangs gesagt und das auch ernst gemeint. Inzwischen weiß er es wohl besser.

4. Hat er ein Vorbild? Schriftstellerisch oder auch im »normalen« Leben?
Wolfgang schätzt Leute mit Sprachwitz, ich habe den gesammelten Voltaire in seinem Regal gesehen. Leider nur auf Deutsch. Wenn er sich nach dem Schreiben entspannen will, hört er sich alte Platten von Ulrich Roski an, er besitzt sie alle! Und sein Lieblingsgedicht ist Schillers "Ring des Polykrates". Er mag auch Englisches, er hält Oscar Wilde für grob unterschätzt. Zwar bin ich nur halb gebildeter Polizist, aber das sehe ich völlig anders. Engländer!

5. Gibt es Rituale, die Wolfgang A. Gogolin beim Schreiben anwendet? Das Hören bestimmter Musik oder vollkommene Stille, etwas Bestimmtes zu essen, das in Reichweite stehen muss?
Also, wenn ich hochkonzentriert arbeite, dann beschwingen mich immer Chansons von Gilbert Bécaud und Yves Montand, dazu ein Gläschen Roter. Aber Wolfgang will nur Stille. Absolute Stille. Ich fühle mich dabei beobachtet, aber er braucht das wohl. Wäre ich sein Arzt, würde ich ihm verschreiben, öfter mal einen Pastis zu trinken. Aber ich bin ja nur sein Capitaine.

6. Wie hast du ihn kennen gelernt?
Seltsame Frage. Er hat mich geschaffen, er ist Gott. Glücklicherweise funktioniere ich dennoch nicht immer so, wie er sich das denkt. Wolfgang hofft ja immer auf deutsche Präzision und Verlässlichkeit bei seiner Hauptfigur, aber das kann er sich bei mir abschminken. Ich mag ihn trotzdem irgendwie. Vielleicht liegt das daran, dass wir beide einen Beamtenhintergrund haben. Am Ende kommen wir zusammen und ich behalte recht.

7. Weißt du, ob es bei ihm immer so ist, oder ist es bei anderen Geschichten und deren Charakteren anders abgelaufen ist?
Wissen kann ich es nicht. Ich vermute aber, dass ihm andere Figuren noch mehr in die Suppe spucken als ich kleiner Capitaine. Welcher Romanheld lässt sich denn schon gern vom Chef herumschubsen? Wer eine petite Selbstachtung mitbringt, wird Wolfgang ganz genau sagen, was er aufschreiben soll.

8. Einmal ganz frech gefragt: Wieso führe ich das Interview mit dir? Was macht dich für Wolfgang so besonders?
Moment! Eigentlich stelle ich hier die Fragen. Ich bin der Ermittler und halte alle Fäden in der Hand. Mit wem solltest Du sonst sprechen? Wolfgang ist nur der Schreiberling.

9. Werfen wir doch einen Blick in die Kristallkugel: Was hält die Zukunft für Wolfgang A. Gogolin bereit? Wie sieht der momentane Stand seiner Arbeit aus? Gibt es bald etwas Neues zu lesen?
Wolfgang war zwischenzeitlich wieder wochenlang in Paris, im letzten Herbst, es sieht alles nach einem neuen Frankreichroman aus. Das wird sicher nicht leicht, denn ich werde nicht dabei sein. Merke ich mir! Aber ich sehe Chancen für die Zukunft: Wenn er sich ein vernünftiges Auto kauft, beispielsweise einen Renault, und wenn er das Leben ein wenig leichter nimmt, kommen sicher noch ein paar phänomenale Romane auf uns zu!

10. Ein herzliches Dankeschön an Luc Morel für die Beantwortung der Fragen. Für die letzte Frage möchte ich dem Autor selbst eine Gelegenheit geben, noch etwas loszuwerden, bzw. vielleicht auch etwas richtig zu stellen, was von Luc gesagt wurde.
Nett, dass ich auch zu Wort komme. Und ja, ich fahre einen Mercedes – aber der ist schon 13 Jahre alt und entspricht fast einem neuen Renault. Damit bin ich schon fast Franzose, finde ich, außerdem wird mein Lieblings-Rum in Frankreich abgefüllt. Lucs Auftreten hier bei den Lesekatzen erscheint mir reichlich selbstbewusst, denn natürlich funktioniert er haargenau so, wie ich will, wie denn sonst? Zu Luc Morels Schwäche für Pastis: Das ist keine Lösung! Angesichts solcher Vorschläge wird er auch in einem künftigen Roman keine heimliche Geliebte bekommen, das hat er jetzt davon!


Wenn ihr mehr über den Autor erfahren möchtet, besucht ihn auf seiner Homepage. Der Roman "Dunkles Licht in heller Nacht" ist im Oldigor Verlag erschienen.


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