Dienstag, 10. Januar 2017

[Rezension] Lasst uns schweigen wie ein Grab (by Key)

Lasst uns schweigen wie ein Grab Julie Berry
Thienemann, 2014  
Preis: 12,99€
TB: 304 Seiten
ISBN: 978-3-522-20199-5

Als aus heiterem Himmel die Direktorin und ihr Bruder beim Sonntagsessen vor ihren Augen tot vom Stuhl fallen, haben die sieben Schülerinnen des St. Etheldra Mädcheninternats die Wahl: Entweder erzählen sie von den Todesfällen und werden nach Hause geschickt, oder sie vertuschen den Vorfall und haben die fantastische Chance, das Mädcheninternat selbst zu führen – ganz ohne die Kontrolle von Erwachsenen!
Also schaufeln sie den beiden ein Grab im Garten und pflanzen einen hübschen Kirschbaum darauf. Doch das ist erst der Anfang. Für ihren Traum von der eigenen Schule verstricken sich die Mädchen in ein fulminantes Netz aus raffinierten Lügen, während der Mörder noch frei herumläuft …

Eine skurrile Krimi-Komödie mit viel schwarzem Humor


Meine Meinung: 
"Und dürfte ich um etwas weniger Tohuwabohu bitten?" S.29
 Vor 1900 hatten es Frauen und solche die es erst noch werden wollten, nicht leicht. Kein Wunder: Frauenwahlrecht, Suffragetten und all diese schönen Errungenschaften, die dann schlussendlich zum Frauenparkplatz und der Frauenquote in Führungspositionen führten, davon können die sieben skandalösen Schwestern im Pensionat Saint Etheldreda nur träumen. Ihre Welt beschränkt sich auf: Französisch, Latein, Mathematik (immerhin!), Geschichte, Tanzen, Singen, Musizieren, (OT: Zombies killen), Etikette, Kochen, Gartenarbeit. Warum dieses feine Büchlein dennoch den Begriff Emanzipation exerziert, will ich euch gern verraten, wenn ihr wagemutig genug seid.

Machen wir also einen Ausflug nach England, in ein hübsches kleines Städtchen, direkt ins Speisezimmer des Internats an den Esstisch, an einem Sonntagabend. Zu Gast begrüßen wir Aldous, den Bruder unserer Internatsleiterin, ihres Zeichens Witwe (mit einem Faible für Seemänner). Und diese Szene können wir dann auch schon gleich wieder vergessen, die beiden sind nämlich zwei Sätze später Wurmfutter. (Das mit den Würmern ist später noch mal wichtig.)
So weit alles nicht neu, das steht im Klappentext. Auch der Kirschbaum findet dort schon Erwähnung, weshalb ich mich dann den interessanteren Details widmen werde, möglichst ohne zu spoilern.
 
"Eine dünne Mondsichel spitzte durch die Wolkendecke."S.52
Was haben Shakespeare, Sir Arthur Conan Doyle, Victor Hugo und Lewis Carroll gemeinsam? Sie werden in diesem Buch, von den Mädchen, genannt und sogar zitiert. Unsere sieben Gören (die jüngste 12 Jahre alt) sind nämlich allesamt aus einigermaßen gutem Elternhaus (nicht so gut um auf eine der anderen, noch viel tolleren Schulen gehen zu können, aber immerhin betucht genug, um in diese Einrichtung abgeschoben worden zu sein). Sie sind sogar recht klug, manierlich, talentiert und ansehnlich - größtenteils - nicht zwangsläufig gleichzeitig. Und deswegen wäre mein erstes Manko: Schade, dass auf dem Cover nur Platz für fünf von den Sieben war. Denn jedes der Mädchen, mitsamt charakteristischem Beinamen, wird gebraucht in der sich aufbauenden Scharade, auch wenn der Fojus auf Kitty Schlau liegt.

Die Aufgaben müssen verteilt, die Zugehfrau entlassen, die nahen Bekannten getäuscht, die aufstrebenden Bobbys ausgetrickst, Schmiere gestanden werden. Nebenbei muss der Haushalt gemacht, die Buchhaltung aktualisiert, Geld herbeigeschafft, eine Tischdecke mit Erdbeeren bestickt, ein paar junge Gentleman und Beaus angeflirtet, Nestlé Schokolade gefuttert, ein Pony gestreichelt werden - ja, wie unwichtig das doch alles klingt, wenn man weiß, dass es zwei Leichen zu beseitigen gibt! An deren Ableben die Mädchen übrigens unschuldig sind (können Leichen ableben - wohl eher nicht. Aber ihr wisst was ich meine).


"Tis not fine feathers make fine birds." S.150
Und darum geht es wirklich: die leichen wegschaffen, um bloß nicht nach Hause zu müssen (oder in ein anderes Internat). Sie wollen zusammenbleiben, sie sind Freunde, Familie. Sie ärgern sich, verdächtigen sich, treten sich auf die Füße und schimpfen - doch sie stehen als eine Frau hinter ihrer Entscheidung. Mrs Plackett muss weiter existieren, um den Anschein aufrecht zu erhalten, alles andere muss im Lügengespinst Bestand haben. Und ganz nebenbei muss auch noch das Rätsel um den Ebenholzelefanten gelöst und der Mörder gefunden werden. Zu diesem Zweck gibt es ein Notizbüchlein, in dem alle Spuren festgehalten werden.

Julie Berry gibt dem Leser dabei sämtliche Informationen an die Hand und überlässt es nicht dem Zufall, auf die Lösung zuzusteuern, ganz ohne Hirnverdreher. Damit will ich nicht sagen, es sei geradlinig. Das Buch ist spannend genug, dass ich es an einem Tag runterlesen kann, flüssig - süffig wie die Bowle. Von der man aber lieber nicht zu viel genießen sollte, es sei denn man möchte als Dame im Korsett Zustände kriegen. Ein bisschen Anbandelei und Tändelei gibt es auch. Wobei wahrscheinlich ein zaghafter Handkuss und ein wirklich böser, wirklich aufdringlicher Wangenkuss in der Zeit skandalös sind! Pfui Mädchen!


Fazit: 
Es gibt Punktabzug für’s Ende. Ich hätte den jungen Damen schlichtweg etwas anderes gewünscht, auch für die dargestellte Zeit. Ja, ich könnte mir eine ganze Serie vorstellen, die Mädchen in dem riesigen Haus, führen es weiter, müssen sich immer wieder Schnüfflern erwehren, um die Ecke denken, verplappern sich und kriegen die Kurve wieder. Nennt mich komisch, aber das Buch hatte nur in einer Hinsicht schwarzen Humor und das war der verbrannte Pudding. Wobei Elinor Düster mir zusammen mit Alice Robust am besten gefallen haben. Da wäre mehr drin gewesen, hätte man nicht alles aufgelöst und so viele verschiedene …

Ein schönes Buch, das viel richtig macht. Mit ein paar schönen Seitenhieben auf und gegen die Männlichkeit. Mit schönen Hinwendungen an romantische Piratenromane. Mit Hundewelpen, einem Pfau und einem Hahn.
Und das von mir über einen Krimi.
Daher mein Urteil in Preußischblau:




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